Ihre Katzenpension in Leinfelden-Echterdingen für den Großraum Stuttgart
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Kater Sokrates

Kater V

Eines Tages im März kündigte eine Frau drei Tiere für die Katzenpension an – einen Kater, eine Kätzin und ein Kaninchen. Sie ziehe um und wisse noch nicht, wann sie die Tiere wieder holen könne.

So kamen die Drei denn an. Ein süßes etwas bissiges Kaninchen, eine zierliche Schildpatt und eben der Kater, im folgenden Kater V genannt. Die Frau öffnete die Boxtüre und ich erschrak. Mein Kater kommt, dachte ich. Ich erschrak gleich nochmal über diesen Gedanken. Hatte ich denn nicht schon genug von diesen süßen Tierchen? Den kenne ich doch, dachte ich, und erschrak gleich nochmal. Woher auch?

Da fiel mir ein, dass bei mir in der Wohnung eine eingerahmte Postkarte hängt mit eben diesem Kater. Schon zehn Jahre habe ich diese Fotografie und ich sagte immer zu allen, das ist mein Kater, den möchte ich mal haben.

V stieg also aus seiner Box. Majestätisch. Er war schwarz mit weißer Brust, weißem Hals und weißen dicken Pfoten. Ich hatte noch nie so dicke Pfoten gesehen. Ich starrte nur diesen Kater an. Die Frau sah mich an und schüttelte den Kopf. Was haben Sie denn, gefällt er Ihnen nicht? Doch, stotterte ich, sehr. Das ist mein Kater. Sollten Sie ihn nicht mehr abholen, ist auch nicht schlimm. Was sage ich denn da? So ein Quatsch.

V wurde mein Begleiter auf allen Wegen. Kam ich zur Türe herein, sprang er auf und kam her. Er folgte mir überall hin, sah mich immer mit großen grünen Augen an und verfolgte alles, was ich tat, mit großem Interesse. Wir hatten schon nach kurzer Zeit ein solches Einverständnis, dass es mir unheimlich war. Ich schaute ihn an, er mich, und wir verstanden, was der andere wollte.

Nein, so nicht, dachte ich manchmal. Er geht wieder und es wird Dir das Herz brechen. Immer, wenn ich so weit mit meinen Gedanken war, ließ sich V bei x-beliebigen Besuchern auf den Rücken fallen, sich genüsslich kraulen und dabei beobachtete er mich ganz genau aus den grünen Augenwinkeln. Manchmal dachte ich, der grinst doch, oder?

Die Frau besuchte ihre Tiere einmal und sie meinte, V schaut mich nicht einmal mehr an, der ist ja total auf Sie fixiert.

Die Bindung wurde immer stärker und ich denke, diese Bindung besteht nicht nur seit März. Ich bin sicher, wir kennen uns schon lange und V ist ein Seelenverwandter von mir. Ich habe noch eine Katze, bei der waren es auch mysteriöse Umstände, wie sie zu mir gelangte, und ich weiß, sie ist meine weibliche Seelenverwandte. Sie ist auch schwarz-weiß, allerdings mit kurzen Haaren, keine Norwegische Waldkatze wie V.

Was soll ich noch sagen? Wie selbstverständlich kam die Frau nicht wieder, sie ist einfach verschwunden. Ich konnte sie bis heute noch nicht ausfindig machen. Das andere Kätzchen ist bei meiner geliebten Freundin eingezogen und das süße Kaninchen hat nun bei Freunden endlich Kaninchengesellschaft mit Gartenauslauf gefunden und muss nicht mehr alleine in einem kleinen Stall leben…

Mitte November zog V endlich bei uns ein. Er heißt jetzt Sokrates. Auch hier schritt er majestätisch durch die Wohnung, durch das untere Katzenzimmer und durch den Freilauf. Und irgendwie kam es mir vor, dass alle anderen Tiere sich ein bisschen verneigten. Nicht unterwürfig, nein, eher mit dem Selbstverständnis, der gehört hierher oder eigentlich war er schon immer hier. In Gedanken.

Alle Geschöpfe der Erde fühlen wie wir,
alle Geschöpfe streben nach Glück wie wir.
Alle Geschöpfe der Erde lieben, leiden und sterben wie wir,
also sind sie uns gleichgestellte Werke des Allmächtigen Schöpfers – unsere Brüder
Franz von Assisi